Chronik

Chronik des Krieger- und Soldatenvereins Trudering-Riem e.V.

Vorgeschichte

Schon als die bayerischen Soldaten der napoleonischen Kriege von den Schlachtfeldern Rußlands und Frankreichs zurückkehrten, schlossen sie sich zusammen und bildeten den Kern einer ständig in sich wachsenden Gemeinschaft, die durch den Beitritt gedienter Kameraden aus den folgenden Friedensjahren gestärkt und gefestigt wurde. Aber jene alten Feldzugteilnehmer starben, die Reihen lichteten sich. In den vierziger Jahren des 19.Jahrhunderts waren es fast nur mehr Nachkriegsmitglieder, die sich in den Soldatenvereinen einfanden.

Während damals nur wenige Vereine gegründet waren, wuchs mit der Idee eines neuen wiedervereinigten Deutschen Reiches auch der Sinn für zahlreiche vaterländische Vereinigungen unterschiedlicher Richtungen und Ziele; nicht nur Kriegervereine, sondern auch Turnerverbände (Jahn), studentische Körperschaften und andere, meist politische, Gruppierungen wurden gegründet. Besonderen Anreiz für den Aufschwung der Kriegervereine gab das neue Lebensgefühl nach dem Kriegen von 1866 und vor allem 1870/71 und nach der Gründung des neuen Deutschen Kaiserreiches preußischer Ausrichtung. Die damaligen Kriegsteilnehmer, die auf den Schlachtfeldern von Weißenburg, Wörth, Sedan und Orléans und vor Paris in treuer Kameradschaft zusammengestanden hatten, waren gewillt, diesen hohen sittlichen Wert auch künftig zu erhalten.

Während vorher in Deutschland kaum einige hundert Kriegerverbände bestanden, wuchs ihre Zahl nach 1871 auf über 20 000, von denen allein auf Bayern mehr als 2 600 entfielen. Nachdem der „Deutsche Kriegerbund“ am 14. April 1874 in Weißenfels gegründet worden war, der mit Sitz in Berlin eine Reihe norddeutscher Vereine umfaßte, wurde am 11. Mai 1874 der „Bayerische Kriegerbund“ gebildet. Es war auch der Tag, an dem die Fahne geweiht wurde, die König Ludwig II. dem Veteranen- und Kriegerverein der Haupt- und Residenzstadt München zum Geschenk gemacht hatte. Der Landeskriegerverband sah sein Ziel in der Förderung der vaterländischen Gesinnung, der Kameradschaft und der Wohlfahrt.

In diesem Sinne hat Prinz Luitpold von Bayern die „Prinzregent-Luitpold-Stiftung“ mit einer Zuwendung von 50 000 Mark ins Leben gerufen, um das Los der überlebenden unbemittelten Veteranen nach Kräften zu mildern. Zu dieser Zeit wurde aber auch unter Kaiser Wilhelm II. ein Gesetz erlassen, das den bedürftigen und erwerbsunfähigen Veteranen galt. Jährlich wurden an 15 000 Empfänger 1 800 000 Mark Unterstützung ausbezahlt. Davon trafen rund 200 000 Mark auf Bayern, die sich auf etwa 1 600 Veteranen bei einer jährlichen Unterstützung von je 120 Mark verteilten.

Gründung des Vereins

05. November 1900, In diese Zeit der Fürsorge für die ehemaligen Kriegsteilnehmer und der Gründung des Kyffhäuserbundes der deutschen Landeskriegerverbände am 10. Mai 1900 fiel auch die Geburtsstunde des „Krieger- und Veteranen-Vereins Trudering und Umgebung“. Zu Beginn hatte der Verein 38 Mitglieder und 3 Ehrenmitglieder.

In seiner damaligen Satzung hatte sich der Verein als Hauptaufgabe gestellt:

  • •Stärkung der Vaterlandsliebe durch Pflege militärischer Kameradschaft im Geiste treuer Hingabe für König und Vaterland, Kaiser und Reich, daher vollständige Fernhaltung von politischen Parteiungen
  • • Geordnete Hilfeleistung erkrankter, gebrechlicher oder erwerbsunfähiger Mitglieder nach Höhe der verfügbaren Mittel.
  • • Würdiges Begräbnis verstorbener Mitglieder und Begehung einer alljährlich am 11. November stattfindenden Kriegergedächtnisfeier.
  • • Zur Kräftigung des Zusammengehörigkeitsgefühls Veranstaltung von Versammlungen, Vereinsabenden, Christbaumfeiern u.s.w.
  • • Anschluß an den Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenbund.

Die Durchsicht der noch seit 1901 vorhandenen Kassenbücher zeigt, dass die Gründungsmitglieder diese Bestimmungen sehr ernst genommen haben. Die hilfsbedürftigen Kameraden haben angemessene Zuwendungen aus der Unterstützungskasse erhalten, die jährlich durch die Überschüsse aus den Christbaumfeiern, aber auch durch freiwillige Spenden aufgefüllt wurde.

Schon 1901 konnte aus einem eigenen dafür eingerichteten Fonds die erste, noch erhaltene Vereinsfahne angeschafft werden, die bei feierlichen Anlässen und vor allem bei Beerdigungen verstorbener Vereinsmitglieder als Symbol der Treue und Verbundenheit getragen wurde.

11. Juni 1905 Wie opferbereit und unermüdlich unsere ersten Vereinskameraden waren, zeigt die Enthüllung und Einweihung der Erinnerungstafel zum Gedenken an die Gefallenen der Kriegsjahre 1870/71 am 11. Juni 1905 an der alten Kirche St. Peter und Paul Trudering. Der Krieger- und Soldatenverein Trudering-Riem e.V. unterstützte die Renovierung dieser Tafel am 18.10.1996 mit 4 505,70 DM.

Am 05. Januar 1913 wurde der Verein in das Vereinsregister des Amtsgerichtes München eingetragen. 1913 und 1914 wurden Sommerfeste mit „Glückshafen“ und Kegelscheiben veranstaltet, zum Wohle sicherlich auch der Unterstützungskasse.

Nach Beginn des ersten Weltkrieges im August 1914 richtete der Verein sein Hauptaugenmerk auf die Betreuung der Frontsoldaten mit Liebesgaben..

Nach dem ersten Weltkrieg und die Errichtung des Kriegerdenkmals

Bei Kriegsende und in den folgenden Jahren fanden viele glückliche Heimkehrer als Mitglieder zum Kriegerverein, um weiterhin in kameradschaftlicher Verbundenheit zusammenzuhalten.
Sie haben vor allem ihre gefallenen Kameraden nicht vergessen und schon 1918 die Initiative ergriffen, ihnen ein würdiges Denkmal zu errichten. Das Grundstück wurde unserem Verein vom Landwirtsehepaar Max und Kreszenz Oberhuber als Geschenk überlassen.

Der Vereinsbeschluss zur Errichtung des Kriegerdenkmals datiert vom 29. Juni 1919. Die Grundsteinlegung fand im September 1919 statt. Das Denkmal konnte am 29. Juni 1920 vom damaligen Bürgermeister, Baumeister und Vereinsmitglied Johann Schatz (*07.03.1872, ?24.09.1970) enthüllt werden. Den kirchlichen Beistand leistete der Pfarrer Johann Benno Gottschalk (*31.05.1871, ?13.06.1944 bei einem Luftangriff).

Inflationszeit und die Ereignisse bis 1945

Aus dem Jahr 1923 ist die Jahresabschlußbilanz interessant. Die Einnahmen betrugen damals 30 548 007 673 Mark und die Ausgaben 31 706 100 317 Mark.

Am 10. März 1936 wurde Georg Dirscherl (*12.02.1891, ?13.01.1977) zum Kameradschaftsführer bestellt. Wenn auch das Vereinsleben in den Jahren 1935 – 1945 den Richtlinien des Deutschen Kriegerbundes (Kyffhäuser) unterworfen war, hat es Dirscherl verstanden, politische Einflüsse vom Verein fernzuhalten.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges ist eine große Zahl von Vereinsmitgliedern eingezogen worden oder zu sonstigen Aufgaben in der Heimat verpflichtet worden. Selbstverständlich hat das Vereinsleben darunter gelitten, wenngleich die Kameradschaft unter den verbliebenen Mitgliedern weiterhin gepflegt wurde.

Neubeginn und die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg durfte der Verein nicht mehr aktiv tätig werden. Aufgrund des Kontrollratsgesetzes erfolgte schließlich 1949 von Amts wegen die Löschung des Vereins im Vereinsregister; das Vereinsvermögen wurde gesperrt. Trotzdem haben die ehemaligen Vereinskameraden auch in diesen Jahren den Kontakt untereinander nicht verloren.

1953 kam es zur Wiederbelebung des Vereins. In einem Schreiben vom 27. März 1953 ersuchten 30 Mitglieder mit ihren Unterschriften das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung, das Kriegerdenkmal freizugeben und das Vereinsvermögen aufzuwerten.

In der konstituierenden Versammlung vom 30. Mai 1953 konnte dann der kommissarische 1. Vorstand Georg Dirscherl berichten, daß seitens des Bayerischen Landesamtes für Vermögensverwaltung keine Bedenken gegen die Freigabe des Vereinsvermögens einschließlich der Sperrkonten bestünden. Bei der gleichzeitigen Neuwahl der Vorstandschaft erhielt er mit 35 von 38 Stimmen als erster Vorstand die Zustimmung der Versammlung. Er blieb es bis zum 30. März 1974, (?13.01.1977). Der Vereinsbeitrag wurde auf 0,60 DM pro Monat festgesetzt.

In der Mitgliederversammlung vom 26. Februar 1955 wurde angeregt, Gedenktafeln zur Erinnerung an die im 2. Weltkrieg gefallenen und verstorbenen Vereinskameraden am Denkmal anzubringen. Am 17. November 1957 wurden die Gedenktafeln mit den Namen der gefallenen und für tot erklärten vermißten Kameraden des 2. Weltkriegs eingeweiht. Der Einzugsbereich wurde auf die Pfarrei St. Peter und Paul beschränkt.

Am 23. Juli 1961 wurde beim Sommerfest im Gasthaus „Blauer Vogel“ das 60-jährige Gründungsfest gefeiert.

Nach einstimmigem Beschluss der Mitgliederversammlung erfolgte am 01. April 1970 der Anschluß an die Bayerische Krieger- und Veteranenvereinigung 1956 (BKV) e.V.
Natürlich fanden jedes Jahr auch gesellige Veranstaltungen wie Vereinsausflüge, Faschingsbälle, Sommerfeste u.s.w. statt, die meist in feuchtfröhlicher Stimmung verlaufen sind.

Aam 19. Januar 1974 trat Ludwig Dirscherl, der Sohn Georg Dirscherls, die Nachfolge an.

Die Versammlung vom 30. März 1974 billigte eine neue Vereinssatzung, die zur Eintragung des Vereins in das Vereinsregister des Amtsgerichts München als Krieger- und Soldatenverein Trudering-Riem e.V. erforderlich war.

1974 wurde das Kriegerdenkmal renoviert.

In der Hauptversammlung von 1975 wurde der Jahresbeitrag auf 20,00 DM/Jahr erhöht. Vor dem Krieg war er bei RM 6,00 für Vollmitglieder und 3,60 RM für Mitglieder mit Ermäßigung. Nach dem Krieg lag er bei 7,20 DM und später (ab 1970) bei 12,00 DM/Jahr. 1975 wurde auch die neue Fahne übergeben.

Laut Beschluß der Hauptversammlung vom 07. April 1979 wurde ab 01. Januar 1979 der Beitrag auf 30,00 DM/Jahr erhöht. Am 27. April 1979 wurde dem Verein durch das Finanzamt für Körperschaften der seither noch immer wieder verlängerte Status der Gemeinnützigkeit zuerkannt. Die Satzungsänderung wurde am 14. September 1979 in das Vereinsregister des Amtsgerichts München eingetragen.

Das Jahr 1982 war hauptsächlich geprägt von den Festlichkeiten „50 Jahre Trudering bei München“. Der Höhepunkt der Veranstaltungen war der Festzug vom 23. Mai 1982, an dem sich der KSV Trudering-Riem mit einem Festwagen unter dem Motto „Krieger- und Veteranenverein Trudering und Umgebung zur Fahnenweihe nach Haar 1931“. Selbstverständlich wurde dieser Wagen von einem prächtigen Pferdegespann gezogen.

1985 war wieder ein Jubiläumsjahr für den Krieger- und Soldatenverein Trudering-Riem e.V., das 85., aber auch das 60. Jahr der Gründung des Turn- und Sportvereins (TSV) Trudering. Die beiden Jubiläen wurden zusammen gefeiert.

Am 15. März 1986 wurde die restaurierte alte Vereinsfahne in ausgezeichnetem Zustand wieder übergeben.

Ein heftiger Orkan richtete am 10. Februar 1988 gegen 15 Uhr einen großen Schaden am Denkmal an. Durch gewaltige Sturmböen wurde die Muttergottesstatue mit dem Kind aus der Verankerung gerissen und vom Sockel heruntergestürzt. Nach dem Restaurierungsgutachten des Restaurators Claus Haller aus München wies die Figur durch den Sturz verschiedenste Deformierungen und schwere Schäden auf.

1991 waren wieder Sturmschäden am Denkmal zu beseitigen.

Der Entwurf einer neuen Satzung wurde 1995 verteilt. Er wurde vom Schriftführer verlesen und von 50 Mitgliedern bei einer Enthaltung ohne Gegenstimme angenommen. Der Satzungsentwurf war damit akzeptiert. Das Finanzamt lehnte ihn später ab, der neue Vorstand erhob wiederum dagegen erfolgreich nach einer Rücksprache und einigen Änderungen Einspruch. Geändert wurden besonders die Bestimmungen über die Gemeinnützigkeit, Zweck und Aufgaben und die Organe des Vereins, deren Aufgaben und die Auflösung des Vereins.

17. März 1995. Hermann Weber wird zum neuen ersten Vorstand (bis heute) gewählt.

2000 begann mit dem obligatorischen Frühschoppen zum Jahreswechsel.

Das 100-jährige Jubiläum wurde am 21. Mai 2000 zusammen mit dem 75-jährigen Turn- und Sportverein Trudering im Festzelt der Truderinger Festwoche und am 4. November vereinsintern im Festsaal der Gaststätte Obermaier begangen.

Das von großen Feierlichkeiten unbelastete Jahr 2001 lief dann ganz normal ab. Fast ganz normal, denn schon bei der Hauptversammlung am 10. März 2001 musste der Kassier mitteilen, daß aufgrund der hohen Ausgaben im Jahr 2000 eine Erhöhung der Einnahmen unumgänglich ist. Demzufolge wurde erstmals nach 23 Jahren zum Januar 2002 der jährliche Mitgliederbeitrag von DM 30.- auf DM 50.- erhöht. Da zum Januar 2002 auch die neue Gemeinschaftswährung Euro eingeführt wird, wurde der neue Jahresbeitrag einstimmig auf 25 € festgesetzt.

Am 23. August 2003 fand unser (noch vereinsinternes) Grillfest erstmals im Pfarrhof statt, jedes Vereinsmitglied erhielt einen Gutschein über 7,50 €. Diesmal war das Wetter ausnahmsweise schön.

Erstmals wurde der Grillabend am 27. August 2004 (einem Freitag) als öffentliche und angemeldete Veranstaltung durchgeführt. Allerdings konnte er wegen ungünstiger Wettervorhersagen, die dann doch nicht eintrafen, nicht im Pfarrhof, sondern musste im Pfarrsaal stattfinden.

Am 5. August 2005 feierte der Verein wieder das zweite öffentliche Grillfest im Pfarrhof. Am einzigen schönen Tag innerhalb von drei Wochen im insgesamt verregneten Sommer besuchten uns über 120 Gäste und verbrachten bis 23.30 Uhr den Aufenthalt bei warmem und trockenem Wetter.

Derzeit veranstalten wir im Januar einen Frühschoppen, im Mai einen Besuch der Festwoche, im August einen Grillabend und im Dezember eine Weihnachtsfeier, wir nehmen an vielen Veranstaltungen, wie den Fronleichnamsprozessionen und dem Volkstrauertag teil und wir organisieren mehrmals im Jahr eine Busfahrt zu interessanten Zielen.

www.ksv-trudering.de